Ach, wenn doch nur alles kompliziert wäre…

Ja, es gibt sie noch, die einfachen Dinge und Probleme: der Platten im Fahrradschlauch, der geflickt werden muss, die Leere im Kühlschrank, die sich durch Einkaufen beheben lässt oder durch Essen gehen, sich bei Freunden einladen, Bestellservice oder Fasten kreativ umgangen wird.

Zunehmend gibt es die komplizierten Dinge, die sich nicht mit Entscheidung qua Lebenserfahrung und Menschenverstand beheben lassen. Ein Fachmann mit ausreichend Wissen oder längerwieriges Einarbeiten jedoch können Abhilfe schaffen. Der Absturz des Laptops, eine arbeitsrechtliche Fragestellung – Wissen und Erfahrung ermöglichen die Analyse und das Finden von Lösungen zu den Ursachen.

Frauen und Partnerschaften, so hört man oft, sind kompliziert. Leider ist es noch „schlimmer“, sie sind komplex. Männer und Transgender übrigens auch. Als Mensch sind wir alle lebendige Systeme, die sich durch Ursache-Wirkung, Pläne und Funktionen nicht vollständig erklären lassen. Es gibt ein Eigenleben. Manchmal helfen Kopfschmerzen gegen Kopfschmerzen, manchmal nicht. Und ernstgemeinte Vorhaben werden nur manchmal umgesetzt. Modelle und Erkenntnisse aus Neurowissenschaft, Biologie, Psychologie usw. ermöglichen uns, uns mehr und mehr zu erklären und zu verstehen. Fachleute helfen uns weiter – und doch bleibt ein Rest Unvorhersehbares und Überraschendes. Das Gute daran: Wir sind nicht kaputt, wenn etwas bei anderen funktioniert, jedoch bei uns nicht die gleiche Wirkung entfaltet. Wir sind eingeladen, andere Wege auszuprobieren, uns von anderen Möglichkeiten inspirieren zu lassen und gespannt darauf zu achten, wie etwas bei uns wirkt.

Wenn wir uns im komplexen System einer Organisation befinden, sind wir vielleicht ärgerlich oder verzweifelt, dass nicht alles so steuerbar ist, wie wir es gerne hätten. „Ach, wenn es doch bloß einfach oder wenigstens kompliziert wäre…“ Nun, Fachleute können Sie auch hier unterstützen, Phänomene zu erklären und zu verstehen, was sie schon erreicht haben und wo Ansatzpunkte für Veränderungen sind. Und dann gilt es, gespannt darauf zu achten, wie etwas wirkt.


Das Cynefin Modell von Snowden/Boone beschreibt zusätzlich den Kontext „chaotisch“ und die passenden Entscheidungsmuster je nach Kontext. In Kurzform gefunden bei Process One (Quaterly 4/2016)